SPAGYRIKA

VERNISSAGE: FREITAG 3. Juni 2022 ab 19:00

AUSSTELLUNGSDAUER: 4. bis 18. Juni,
Freitag und Samstag 17:00 – 20:00
Sonntag 15:00 bis 17:00


Die Ausstellung im mom art space eröffnet neue Räume und Perspektiven im Vorhandenen. Zu sehen  sind Arbeiten von Selma van Panhuis und Jennifer Eckert, welche das Nicht-Sein, dessen Lesbarkeit  und das Wiedervereinen von in unserer Kommunikation künstlich auseinanderdividierten Orten in den Vordergrund stellen. 
Die gezeigten Werke von Selma van Panhuis zeichnen sich durch Farbstrukturen aus, welche auf  archaischen Trägern Leichtigkeit schaffen und abstrakt, aber dennoch vertraut Assoziationen mit  Horizontdarstellungen auslösen. Die Künstlerin schafft hier eine wie in der Alchemie anmutende Transmutation, die sich mit dem Dazwischensein beschäftigt und ihm einen neuen Raum ermöglicht.  Dieser Raum entsteht am Berührungspunkt des Horizontes, der in der Nautik sogenannten Kimmlinie, die Himmel und Erde voneinander trennt. Die Arbeiten Selma van Panhuis‘ lassen die Betrachtenden eine Fragmentperspektive einnehmen, die quasi einen Super Zoom ins Innere des Dazwischen, des  Nicht-Sein, möglich macht. Der Kunsthistoriker Ernst Gombrich meinte, man sei versucht, die  Behauptung aufzustellen, dass die Landschaftsmalerei früher da war als unser „Gefühl von der  Landschaft“. In Selma van Panhuis Werken geschieht etwas Ähnliches. Wir sehen etwas, von dem wir  nicht wissen, wie wir es benennen sollen, jedoch spüren wir seine Vertrautheit auf der  Empfindungsebene. Der Begriff Spargyrika, welcher zugleich trennen und vereinigen bedeutet, ist daher ein erster Versuch, das Zeichensystem zwischen Nicht-Sein und Dasein zu benennen.  
Denn auch die präsentierten Werke von Jennifer Eckert beschäftigen sich mit diesem Raum des Nicht Seins, welcher Neues erschafft, wenngleich auch auf eine andere Art und Weise. Jennifer Eckert  verbindet in ihrer Kunst Sprache und Gestalt und beleuchtet Brüche in der Kombinatorik der Systeme,  die sie neu bestimmt und in denen neue Räume, Welten und Systeme entstehen, ohne unbedingt lösbar  zu sein. Durch das Handwerk des Klöppelns, welches sich im Prinzip in den binären Code „kreuzen“  und „drehen“ übersetzen lässt, erschafft sie mit ihren Fadenfiguren aus Garn ein neues System, in dem  auch sie bekannte Regelwerke aushebelt. Auch hier steht die Fragmentperspektive im Fokus: Wie liest  man die Arbeit? Sind es der Knoten und die Fadenlinie oder doch die Auslassung, welche hier die  Hauptrolle spielen und eine neue Lesbarkeit entstehen lassen? 
Der Fokus liegt bei Eckert wie bei van Panhuis auf dem Prozesshaften an sich, während die Arbeiten die Künstlerinnen vollends konsumieren. Das Eintauchen in das Schaffen, die damit einhergehende  Zeitlichkeit in Kontemplation und Konzentration sowie das Umfeld erbauen in dieser Ausstellung durch  Kontiguität implizite Räume. Die Arbitrarität der Bedeutung der Dinge beruhend auf der menschlichen  Kommunikation wird ausgehebelt und durch neue Systeme ersetzt, die Punkte in der Realität bilden,  die in diesen neu entstandenen Räumen den Betrachtenden ermöglichen, sich von dieser Realität  loszulösen, ohne dass ihnen die Wirklichkeit entgleitet. 

Selma van Panhuis (*1980 in Winterswijk, Niederlande) studierte Kulturwissenschaften an der Erasmus-Universität in Rotterdam, Bildende  Kunst an der Königlichen Akademie der Künste in Den Haag und ein Postgraduiertenstudium in Malerei an der Hochschule für Grafik und  Buchkunst in Leipzig. Unter anderem absolvierte sie 2019 ein Aufenthaltsstipendium in Tao Hua Tan (Provinz Anhui, China). Derzeit lebt  und arbeitet sie in Leipzig. 

Jennifer Eckert (*1988 in Reinbek bei Hamburg) ist freischaffende Künstlerin und absolvierte 2015 ihren Master an der Muthesius  Kunsthochschule Kiel. 2015–17 beschäftigte sie sich dort im Rahmen eines künstlerischen Forschungsprojektes mit der Frage «Was das  Buch ist». Seit 2019 hat sie einen Lehrauftrag an der MKH Kiel im Fach «Sprache und Gestalt», sowie 2020/21 an der HBK Saar. Als  Gastkünstlerin war sie u.a. auf der Raketenstation Hombroich und Graz. Jennifer Eckert lebt in Berlin und Neuss. 

Kuratiert von Lara Victoria Gorski. Mit freundlicher Unterstützung von der Hamburger Künstlerin Dagmar Rauwald.

Mit freundlicher Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg

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